Was ist das Redoxpotential?

Das Redoxpotential spiegelt das chemische Verhältnis zwischen REDuzierenden Stoffen und OXidierenden Stoffen im Wasser wieder. Stark vereinfacht also eine Gleichung in der Form:

                  OXIDIERENDE STOFFE
REDOXPOTENTIAL = -------------------
                 REDUZIERENDE  STOFFE


Zu den oxidierenden Stoffen gehört das im Schwimmbad eingesetzte Desinfektionsmittel, zu den reduzierenden Stoffen gehören Verunreinigungen aller Art, inkl. aller Desinfektionsnebenprodukte: also z.B. auch gebundenes Chlor. Wie man der rein schematischen Gleichung entnehmen kann, führt die Erhöhung des Anteils an Desinfektionsmittels (Chlor) im Wasser zu einem höheren Redoxpotential und eine Erhöhung der reduzierenden Stoffe, z.B. durch erhöhten Schmutzeintrag oder Badebetrieb, zu einer reduzierung des Potentials.
Ebenso ergibt sich aber auch, das eine gleichwertige Anhebung beider Parameter (mehr Desinfektionsmittel, aber auch mehr "Schmutz" durch z.B. viele Badegäste) ein in etwa gleichbleibendes Redoxpotential - bei höherem Chlorgehalt - bedeutet.

Das Redoxpotential trifft also keine Aussage über eine bestimmte Menge an wirksamen Desinfektionsmitteln im Wasser, sondern einen bedarfsgerechten Anhaltspunkt ob in Relation zu den Verunreinigungen, genügend aktiv wirksames Desinfektionsmittel im Wasser vorhanden ist. Anhand des Redoxpotentiales lässt sich also bedarfsgerecht der Anteil an Desinfektionsmittel im Wasser regeln - dabei wird der Wert des per DPD1 messbaren, freien Chlors  nur selten exakt konstant sein sondern sich den Bedürfnissen, Nutzung und Belastung des Beckenwassers anpassen.

Richtwerte:
Für öffentliche Schwimmbäder ist laut DIN ein mindest Redoxpotential von 750mV vorgegeben. Dies stellt den unteren Grenzwert dar. Bei diesen Potentialen ist die Keimtötungsgeschwindigkeit ausreichen hoch um für den Menschen schädliche Keime aller Art, in ausreichend kurzer Zeit zu eliminieren. Für private Schwimmbäder sollte man sich ebenfalls an diesem unteren Grenzwert orientieren. Allerdings bleibt zu berücksichtigen, das öffentliche Anlagen ein vielfaches an Umwälzleistung in ihren Aufbereitungstrecken bereit stellen und somit eine Dosiereinrichtung auf abfallende Werte wesentlich schneller reagieren kann als dies in privaten Becken der Fall ist. Ein tendenziell etwas höheres Potential, im Bereich um 770mV bis 780mV, wäre also eher an zu streben um ein zwischenzeitliches Absacken der Werte, durch hohe Belastung, zu vermeiden.

Wasser, das mit z.B. 0,4mg/l freiem Chlor ein Redoxpotential von 750mV (oder mehr) erreicht, kann man als "ausreichend desinfiziert" betrachten. Entgegengesetzt ist Wasser, das mit 1.0 mg/l (oder mehr) freiem Chlor keine 750mV erreicht auch entsprechend nicht als "ausreichend desinfiziert" zu betrachten.